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25. Zeltfest in Michelbach ist ausverkauft

Von Thorsten Stötzer
Erschienen am 18.06.2019 um 02:45 Uhr, zuletzt geändert am 18.06.2019 um 03:10 Uhr

„Servus Udo“, heißt es zum Beginn des Zeltfests in Michelbach. Etwa 1000 Besucher geben Beifall zum Gedanken an verstorbenen Bürgermeister.



Es sage keiner, dass Lederhosenträger nicht an den Zeitgeist denken. „Bier ist ein veganes Getränk“, erläutert Gerry Grass von der Münchner Zwietracht, „da kann jeder artgerecht mittrinken.“ Ein hochgerecktes Schild mit der Aufschrift „Xuffa“ unterstützt den Appell. Beim Zeltfest des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins (GTEV) Huiberg Weiß-Blau kostet ein Liter Bier übrigens 7,50 Euro.
Mit einem „Servus Michelbach“ rocken die sechs Musiker von der Münchner Zwietracht los. Schottenrock und eine Art Mozart-Frack tragen sie auf der Bühne genauso wie Lederhosen. Bunt wie die Kleidung ist der Stil der Lieder.
Ausgelassene Party steht im Mittelpunkt, nicht Folklore. Die Hauptband des Abends heizt dazu kräftig ein – genauso wie sie es regelmäßig beim großen Oktoberfest in München tut.
„Das sind Profis, da brauchen wir uns um nichts zu kümmern“, lobt Mario Sgoll als GTEV-Vorsitzender die Gruppe. Dabei seien die Mitglieder gar nicht zwieträchtig, sondern sympathisch im Umgang. Schon 2017 spielten sie in Michelbach. „Die rufen alles ab, das ist hier nicht anders, als ob sie vor 10 000 Leuten auf der Wies’n auftreten“, sagt Sgoll zur Show, wobei auch im Brühl das Zelt ausverkauft ist.
Das bedeutet, dass rund 1000 Menschen ausgelassen feiern. Altbekannte Freunde vom Chiemsee sind dabei und 25 Besucher aus Kleve am Niederrhein.
Aus Zorn und Meilingen sind 50 Gäste per Bus angereist. Trachten dominieren das Bild, wobei Frauen heutzutage die Auswahl haben zwischen Dirndl und Lederhose. „Meine Lederhose trägt noch der Hirsch“, erklärt ein Mann im blauen T-Shirt salopp.
„Alle Gerüchte, die rumgehen, sind falsch“
Zimmermannskluft ist gleichfalls zu entdecken. Einige Lederhüte erinnern eher an Australien als an die Alpen. Am elegantesten wirken die Personenschützer von Innenminister Peter Beuth. Ein fröhliches Bild, dem Holger Andrée als Schirmherr und Vorsitzender der Aarbergener Gemeindevertretung beim Fassanstich eine weitere Facette hinzufügt. Und so soll es auch in der Zukunft bleiben im Brühl, wenngleich wie mitgeteilt künftig kein Männer-Tanzfestival mehr ausgetragen wird.
„Das ist das 25. Zeltfest, und es gibt ein 26. Alle Gerüchte, die rumgehen, sind falsch“, beruhigt Mario Sgoll wie bereits am Vorabend. Zu Herzen geht etwas anderes bei der Begrüßung. „Einer fehlt in der Aufzählung, aber ihr wisst, er ist bei uns und passt auf uns auf: Servus Udo“, sagt der Vorsitzende in Gedenken an den vor zwei Monaten unerwartet gestorbenen Bürgermeister und Vereinsgründer Udo Scheliga. Es folgt minutenlanger Beifall, den alle Besucher im großen Zelt im Stehen spenden.
„Ich weiß, dass er von oben zuschaut und von uns erwartet, dass wir es richtig krachen lassen“, schließt sich Peter Beuth an. Dazu tragen vor der Zwietracht die Original Mühlbachtaler aus dem Rhein-Lahn-Kreis bei. Zu „Cordula Grün“ haben sie eine entsprechend gefärbte, lebensgroße Puppe dabei. Frontmann Peer Krahulik spricht derart authentisch Dialekt, dass keiner bemerkt, dass er aus dem Taunus statt aus Tirol stammt. Nicht umsonst heißt es musikalisch „vom Mühlbach bis zum Zillertal.“